Dienstag, 26. Juni 2018
Die Kunst des Schwimmens
Treffen mit einem Freund; warten bis er seine Sachen zusammen gepackt hat und dann gemeinsam zum Bad fahren, umziehen und dann lange duschen.
Wasser genießen, den Augenblick des duschens genießen.

Dann kommt der Freund hinzu und miteinander reden, sich austauschen und dann wieder die Empfindlichkeit der Haut spüren, fühlen.

Nach der langen Dusche geht es Richtung Becken, das kalte Wasser ist zunächst abschreckend; doch das vergeht;;weiß die Erfahrung.

Einschwimmen, jede Bahn anders, kreativ schwimmen, Beinschlag und Armzug in unterschiedlichen Mustern; dann allmählich Übergang in Richtung Kraulschwimmen.
Den Atem wahrnehmen; verschiedene Zug und Atem Varianten nutzend; abhängig von Kraft, Krafteinsatz und Geschwindigkeit.

Bewegung wird automatisiert, Wasser bewegen im Wasser wird flüssiger, geschmeidiger.
Die ersten Tausend Meter Bahnen zählend und verschiedene Aspekte des schwimmens werden in den Fokus genommen.

Jedes Mal oder fast jedes mal das Erleben des Wassers ein fast sinnliches.Momentum. Die Freiheit der Bewegung im Wasser genießend war auch im Tauchen besonders hoch, die Ermangelung des Atems nach einer Weile spürend.

Tauchen im Wasser schwebend ein Tanz um die eigenen Körperachsen, Beweglichkeit des Körpers fühlend, wahrnehmend.

Wir trafen uns im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter und häufig war es so, der eine rief den anderen an, "hast du Lust? ...ich auch, nicht, wann soll ich bei Dir sein? :
Wir gingen nur bei Erkrankungen nicht, sonst jede Woche.

Mein Schwimmpartner mochte die Brausestrahlen im Bad und während ich noch Bahnen zog, lag er bereits im Entspannungsbereich und sorgte für sich.

Das eigentlich meditative war das Bahnen ziehen für mich, eine Bahn nach der nächsten, wieder der nächsten, der nächsten, wieder der nächsten.
Wir fingen an mit vielleicht 60 Bahnen, steigerten beide unabhängig von einander auf 80 Bahnen und irgendwann durchbrachen wir 160 Bahnen.

Für viele ist Bahnen ziehen unglaublich langweilig, ich kenne viele Sport und Bewegungsarten die alle ihren eigenen Reiz haben ( in derselben Zeit in der ich schwamm; spielte ich eine Zeitlang Handball; da geht um Antizapation des Gegners, Abstimmen in einer Mannschaft und Athletik, um Teamplay und Einzelleistungen).

Im Volleyball geht es um Antizipation und Wahrnehmung von Gesamträumen und vielen Bewegungen vieler und natürlich auch um technisches Vermögen, Größe, Körpergewicht und Schnelligkeit.

Im Turnen geht es auch um Härte, um Balance, Kraft /Koordination ( in allen Bewegungsarten bedeutsam ) und auch Mut.
Beim Tanzen geht es um Rhythmus, um flüssige Bewegung, Dynamik uvm.

Warum schwimmen?
Schwimmen ist ein Ganzkörpererlebnis, wo der Körper anders erfahrbar ist und wird. Das schweben im Wasser ist ein besonderer Moment.

Für Menschen mit Gelenkersatz und körperlichen Gebrechen ist schwimmen ein besonders Erlebnis in der Körper wieder erfährt oder erfahren kann, das Beweglichkeit nicht Schmerz bedeuten muss.
Eine Freiheit und Beweglichkeit wird im / durch den Bewegungsraum Wasser ermöglicht.

Für uns beide kam hinzu das wir schwimmen aus der Kindheit kannten; beide als Kinder im Schwimmverein waren und diese Erinnerung war ebenfalls ein Bestandteil des Reizes; intrinsische Motivation.

Mit jedem Zug geschmeidiger fühlt sich neben der Ermüdung, die irgendwann und immer später auftritt die Muskulatur an. Das Kraft Ausdauertraining wird wirksam und das Immunsystem wird gekräftigt.

Maß halten ä, naja war vielleicht nicht ganz so sehr ausgeprägt damals; things change by time, sometimes.

Zudem gab es einen weiteren Reiz, nach dem schwimmen aßen wir zusammen Pizza ( von ihm zubereitet ) und Salat und tranken Rotwein in vino veritas und redeten und diskutierten die halbe Nacht. Manchmal waren die Gespräche hitzig; doch irgendwie bekamen wir beide immer wieder die Kurve und eine Freundschaft entwickelte sich; in der wir einander mochten und schätzten, obgleich wir längst nicht allen Dingen einer Meinung waren oder sind.

Das kannte ich aus meiner eigenen Jugend diskutieren und debattieren und manchmal eben auch keine Einigung erzielen oder erzielen können; ce ca.
Erinnerung kann manchmal vielleicht sogar wichtig sein?

Nach Jahren zog ich weg; genau wie er auch; nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten; wir blieben dennoch befreundet und sind es bis heute und auch wenn ich heute zumeist lieber Joggen gehe.